Hoher Ifen und Gottesacker

Eine schicke Wanderung haben wir gemacht! Hauptsächlich in Österreich, teils aber doch wieder in Deutschland, unser Ausgangspunkt war irgendwo Nähe Riezlern im Kleinwalsertal: die Auenhütte. Zugegebenermaßen haben wir uns den Beginn durch den Sessellift vereinfacht (Yo! Mein erster Trip in einem solchen, sehr witzig, sich rückwärts auf ein Sitzlein fallen zu lassen und dann: Schweben, eigentlich fast Fliegen!)
 
Oben dann fielen schnell all die winterlichen Hüllen, in die wir uns bei morgendlichen drei oder sechs Grad gewickelt hatten, denn das Zwischenziel, der Hohe Ifen liegt auf 2229 Metern Höhe, schwitz. Hier seht Ihr seinen beeindruckenden Bau: Er hat eine Stufe, die aber dank Drahtseil und nicht so starkem Ausgesetztsein gut zu erklimmen ist. Der Blick war aufgrund des plötzlichen Sonnenwetters gegeben. Nicht nur das ganze Kleinwalsertal und Kempten waren da unten, sondern Alpen, Alpen ohne Schnee, Alpen mit Schnee und der fette Bodensee! (Er ist nicht so tiefblau, wie ich ihn mir seit meiner Kindheit vorgestellt hatte. Schade, denn dann käme er auf dem Bild auch zur Geltung…) Päuschen. Gucken. Knipsen. Gucken. Atmen. Per SMS prahlen, wo ich mich gerade befinde (denn da oben ist tatsächlich Empfang). Einen Muffin verspeisen.Dann wieder runter.
 
Doch das war's noch nicht, denn unser Ziel heißt „Wäldele“. Um dahin zukommen gehen wir noch auf das Hahnenköpfle und über den Gottesacker. Ersteres ist ein Mini-Gipfel, man glaubt, Aussicht zu haben, doch im Vergleich zu dem, was vorher war, ist dies ein kleiner Pickel, der mit einem protzigen Kreuz oben drauf behauptet, hoch zu sein. Schnell vorbeigehen, sich nicht beeindrucken lassen… Der Gottesacker könnte so heißen, weil darauf all die WandererInnen beerdigt sind, die entweder in seine Spalten und Löcher gefallen sind oder die wie ich plötzlich so schrecklich müde wurden. Er zieht sich nämlich ewig hin, rauf, runter, in Spalten gucken, drübersteigen, rauf, runter, aufpassen, glitschig, rauf, runter… Irgendwann erhärtet sich der Verdacht mit den WandererInnen, denn es tauchen Grabsteine auf. Von Ferne ist unklar: Ist das natürlich oder von Menschenhand? Aus der Nähe ist dann schon klar, Menschenhand. Absurd, lustig, seltsam. Es zeigt ja auch, dass andere an dieser Stelle Kräfte übrig hatten, kreativ zu werden. Wir fangen dagegen an, zu halluzinieren und Tierköpfe darin zu entdecken… Der Abstieg sollte vor der Dunkelheit geschehen, doch ganz klappte das nicht. Das letzte, was wir sahen, bevor sie über uns kam, war eine „Jagdliche Einrichtung“, ein Holzhäuschen, von außen schön mit Geweihen verziert (auch mit Schildern, dass man ja die Pfoten davonlassen und nicht reingehen soll). Dann Irrfahrt durch den dunkler werdenden Wald.
 
Erst als wir am Ende auf die Straße kommen, die zum Ziel führt, passiert, was mich die Müdigkeit vergessen lässt: Der Mond geht auf. Ich bin kurzzeitig total gerührt, denn das habe ich tatsächlich noch nie gesehen! Wie kann ich diese Bilder in meinem Kopf möglichst lange konservieren, zumal ich schon wieder in Berlin bin? Sie lassen sich nicht vakuumverpackt einschweißen oder bei ebay ersteigern. (Im Moment lassen sie sich nicht mal mehr bei flickr einstellen, denn ich lade zu viel hoch… sorry, liebe LeserInnen, da reiche ich bald die fehlenden noch nach.)

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