Kleine Replik auf nrrrdz

Gestern hab ich mir endlich Zeit genommen und den Podcast nrrrdz angehört, die Folge über Geld. Da er schon ein paar Wochen alt ist, konnte ich den Kommentaren schon entnehmen, dass es viel um Apple-Produkte geht. Ja, stimmt. Die beiden nrrrdz stellen in der Folge aber eigentlich fest, dass in der Blogosphäre die materielle Basis des Bloggens ausgeblendet wird: Was kostet die nötige Technik? Wie zugänglich ist sie damit wen? Wie oft kaufen sich Leute das neuste Zeugs? Wer hat eigentlich das Geld, dauernd auf Community-Events oder Konferenzen zu fahren? Spannende Fragen… und der Aufruf, das Thema auf den Tisch zu bringen. Ganz Ähnliches ist mir doch vor ein paar Tagen schon mal begegnet, und zwar im „Setup“ auf admartinator (wo – wie ich finde – auch hauptsächlich Apple-Fans ihre tollen Gadgets loben). Leute wie ich werden von den nrrrdz „die Verbliebenen“ genannt, die nämlich keine Macs haben, weil sie Linux nutzen. Von mir aus. Ich halte mich eigentlich auch aus anderen Gründen für eine „Verbliebene“:

  • Ich nutze Linux u.a. auf einem alten ibook. Und nicht erst, seit das damals erstandene Betriebssystem veraltet war, sondern schon nach einigen Monaten, mit dem Vermissen von Linux. 2005 jekooft, im selben Jahr Linux ruff.
  • Der zweite Rechner, den ich hab, war ein Gebrauchtkauf, als das ibook mal in Reparatur war, ein T40 (von schätzungsweise 2006). Der dritte ist ein uralt-Rechner von einer Mitbewohnerin, der mir als Testserver dient, bevor ich diesen Server hier kaputtspiele. Der vierte ist ein Geschenk von jemandem bei den Chemnitzer Linuxtagen 2010, ein fast 10 Jahre altes Laptopchen, dass von den Maßen her einem Netbook ähnlich kommt, aber lahm ist. Schön leicht für unterwegs. Klaut auch niemand, weil assbach.
  • Ich hab also 4 Computer und einen gemieteten Server, und das macht mich zu einer ungemein privilegierten Person (!), auch wenn mein Zeug nicht neu ist. Dieser Gedanke kam mir bei Euch etwas zu kurz. Wobei Ihr den Begriff „Mittelschicht“ ja schon einbringt. Ich hörte von iphone, ipod, Digitalkamera, der Möglichkeit, noch funktionierende Dinge weiterzuverleihen oder sie sich zu leihen. Das sind doch auch schon Privilegien, auch wenn Ihr bei jeder Neuanschaffung länger überlegt oder rechnen müsst.
  • Klar schaue ich öfter im Netz nach, was es so Neues gibt oder träume vom perfekten Linuxhandy. Manchmal denke ich, dass eine Digi- oder Webcam toll oder integriertes Bluetooth statt einem ewig am falschen Ort liegenden Dongle praktisch wäre. Aber dann stelle ich auch immer fest, dass der perfekte Laptop für mich eh noch nicht gebaut wurde: Immer fehlt was Wichtiges, aber mit Platte und RAM wird mensch zugeschmissen, wozu bloß?
  • Wie Ihr auch, hab ich diverse Ersatzteile für Rechner beschafft. Bei den Internetrecherchen dafür läuft mir aber immer fast die Galle über: Ein Preisvergleich zwischen neuen Laptop-Akkus und neuen Netbooks kommt mir dann fast vor, als würde mich der Kapitalismus höchstpersönlich zum Neukauf drängen. Es wird uns dermaßen nahegelegt, dass Reparaturen/Ersatzteile sich nicht lohnen, sondern der Kauf vom Neusten. Dabei wissen wir, was mit Elektroschrott geschieht, in welche globalen Ketten der wieder eingeht. Das allein ist für mich ein Argument mehrfach kritisch zu fragen, ob ich irgendwas neu kaufen muss, ob ich nicht auch Second-Hand bekomme, was ich brauche, und ob ich es eigentlich überhaupt brauche oder nur haben will.

Klar kaufe ich auch Sachen (wie Klamotten), deren Äquivalente ich auch aus ’ner Freebox nehmen könnte. Ich will mir aber gerade mit schicker Technik auch nicht dauernd vermitteln lassen, dass cih schon wieder irgendwas Neues kaufen sollte.

Ich ende also mal mit ’nem Themenvorschlag für nrrrdzs, für ein nächstes Mal: Richtet doch die Aufmerksamkeit beim Thema „Geld und Technik“ mal auf die „Neben“ökonomien, Second-Hand, reuse-Computers und was es so gibt. Das wäre spannend, sicher informativ und nicht so eine Firmenwerbeveranstaltung.

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