Drehorgel-Musik

Heute ein richtig überraschendes Thema aus aktuellem Anlass: Drehorgel-Musik!

Hab gestern durch Suchmaschinen plötzlich mein Blog unter der Adresse http://drehorgel-musik.de/ gefunden, nachgesehen, tatsächlich, die url wird zu meiner IP-Adresse aufgelöst. Bevor der Irrtum bemerkt wird, hier also schnell ein Artikel zum Thema, damit die Leser_innen der Website auch was zu lesen bekommen.

Zu Drehorgel-Musik hab ich ziemlich genau zwei Verbindungen:

  1. Als Kind habe ich Nesthäkchen geguckt, diese Geschichte von einem Mädchen in einer snobby Ärztefamilie um 1910. Die Eltern sind die ganze Zeit darauf bedacht, dem Kind zu vermitteln, dass es sich nicht mit dem Sohn des Hausmeisters befreunden kann, weil das nicht ihrem sozialen Stand entspräche. Das interessiert die 106-Jährige nicht, und überhaupt ist das Leben in dem Berliner Hinterhof, den sie vom Fenster aus sieht viel cooler als dauernd nur von der Erzieherin bespaßt zu werden. Unten im Hof ist auch ein Drehorgel-Spieler, dem sie ein bisschen Kohle runterwerfen will. Wenn ich mich richtig entsinne, führte das dazu: Sie warf das Geld irgendwo in die Pampa und rannte dann gleich mal runter, um es wiederzuholen und dem Spieler zu übergeben, der schon weiterzog. Dabei gelangte sie aber in andere unbekannte Höfe, wo sie wegen ihrer Rüschchenklamotten von den anderen Kids gemobbt wurde. Und stürzte auf der Suche nach einem guten Versteck in einen Kohlenkeller. Dramatisch, oder?! Und der Drehorgel-Spieler bekommt davon natürlich nichts mit. Als die Erzieherin sie schließlich auftreibt, sagt er angesichts des kohlegeschwärzten Kindes: „Das ist doch kein feines Mädchen!“ Tja, soviel zum Kaiserreich.
  2. Wir springen in die 1980er Jahre (wo ich auch Nesthäkchen sah): Da gab es auch einen echten Drehorgel-Spieler, der immer mal durch unser Viertel zog, der aber auch in der Innenstadt anzutreffen war. Er hatte immer einen weißen Schäferhund dabei. Ich fand es ungemein gut, genau wie das Fernsehkind ein Geldstück in Papier zu packen und es runterzuwerfen und war genau so bedacht darauf, dass er es auch bekam. Da er mich aber gesehen hat, hat er selbst den Fehlwurf, den ich mal gelandet habe, aus dem Grünzeug geholt. Irgendwann später war der Hund gestorben.

Ich habe mir aber damals nicht die Frage gestellt, was das für ein Leben(sentwurf?) ist. War das seine eigene Drehorgel, mit der er Tag für Tag mit Hund durch die Stadt ging? Wie kam er denn auf diese Idee? Eine Leidenschaft? Eine Familientradition? Ging es um die paar Groschen oder um die aufgeregten Kinder, die sich Nasen an der Scheibe plattdrücken? Fragen über Fragen…

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