Archive for the ‘Wandern’ Category

Stubaier Höhenweg

Sonntag, September 7th, 2008

Auf dem Weg zu einem unpolitischen Freizeitblog schreibe ich ihn nun, den Urlaubsbericht! Wir waren in Tirol auf dem Stubaier Höhenweg unterwegs. Gerade wollte ich schreiben “zu zweit”, aber das wäre angesichts des Ansturms eine recht dreiste Lüge. Als wir noch in Fulpmes an der Talstation standen, hing da schon ein Schild, dass unser erstes Ziel, die Starkenburger Hütte, ausgebucht sei. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass der Schrieb aktuell war, war die Dame, die in der Talstation arbeitet, total nett und hat ein paar Hütten für uns angerufen, um zu klären, was tun. Schließlich sind wir hochgefahren und zur Adolf-Pichler Hütte gegangen, eine gute Strecke zum Eingewöhnen. Und wir hatten immerhin eine Unterkunft, wenn auch in einer Privathütte, in der Gäste die Pflicht-Halbpension übergeholfen bekommen, ob sie wollen oder nicht. Wir haben dort begonnen, immer die Hütte für den nächsten Abend telefonisch zu reservieren. Oft machten das sogar die HüttenwirtInnen gleich als Sammelbestellung. (Als Neumitglieder im Alpenverein war uns zu Beginn nicht klar, dass wir einfach hätten hingehen können. Alle Mitglieder bekommen zumindest ein Notlager. Also: Nicht abwimmeln lassen! ;-) )

Unsere Stationen:
1. Tag: Innsbruck – Straßenbahn – Fulpmes – Lift – Adolf-Pichler-Hütte
2. Tag: Pichler-Hütte – Sendersjöchl – Franz-Senn-Hütte
3. Tag: Rinnenspitze
4. Tag: Franz-Senn-Hütte – Schrimmennieder – Neue Regensburger Hütte
5. Tag: Pause
6. Tag: Neue Regensburger Hütte – Grawagrubennieder – Dresdner Hütte
7. Tag: Dresdner Hütte – Peiljoch – Sulzenauhütte
8. Tag: Sulzenauhütte – Niederl – Nürnberger Hütte
9. Tag: Nürnberger Hütte – Simmingjöchl – Bremer Hütte
10. Tag: Pause
11. Tag: Bremer Hütte – Pramarspitze – Innsbrucker Hütte
12. Tag: Warten auf gutes Wetter
13. Tag: Habicht
14. Tag: Innsbrucker Hütte – Gschnitz – Steinach – Innsbruck

Die Tierwelt hatte sich von diesem Höhenzug weitgehend zurückgezogen. Um so schicke diese eine Ziegenherde, lauter mittig schwarz-weiß geteilte Viecher!

Ziege

Ziege

Die Tour hatte drei besonders lange Tage: Von der Pichler- zur Franz-Senn-Hütte, von der Neuen Regensburger zur Dresdner Hütte und von der Bremer zur Innsbrucker Hütte, wo wir jeweils eine Gehzeit von 6-7 Stunden hatten. Sonst waren wir eher zwischen drei und vier Stunden am Gehen. Ich gehöre nicht zu den Superflitzern, die auf der Tour Hütten überspringen. Uns haben zwischen der Neuen Regensburger und der Dresdner Hütte tatsächlich welche überholt, die an dem Tag in der Franz-Senn-Hütte aufgestanden waren. Andere haben uns erzählt, dass sie über die durchs Skigebiet zerrüttete Landschaft um die Dresdner Hütte herum so geschockt waren, dass sie gleich noch drei Stunden drangehängt haben. Nee, also, ich brauchte die Pausentage dringend, damit sich meine matten Beine erholen konnten. Für den Kopf ist es sehr erholsam: Nach ein paar Tagen geht es nur noch um Gehen, Essen, Gucken, wer sonst noch unterwegs ist, und Schlafen, also nur über basics nachdenken müssen, hihi. Schlafen von ca. 21.00-6.30 Uhr!

Das Wetter war nicht sooo doll. Mehrmals sind wir den ganzen Tag durch die Wolken spaziert oder haben bestimmte Wegvarianten (Großer Trögler, Mairspitze) nicht gewählt, weil die Sichtweise 100m nicht überschritt. Aber wir hatten Weitblick an einigen entscheidenden Orten: auf der Rinnenspitze, der Grawagrubennieder, dem Simmingjöchl und dem Habicht, so dass ich mal nicht zu viel über’s Wetter meckern will. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich unterwegs eine rote Wollmütze gefunden habe, dank derer ich weniger kalte Öhrchen hatte. (Ich hoffe, die Eigentümerin musste nicht zu sehr frieren ohne!)

Berg Habicht

Berg Habicht

Ich habe einen Gletscher angefasst! Zwischen Peiljoch und Sulzenauhütte. Bald gibt’s vielleicht keine mehr. Leute, die schon vor 15 Jahren dort unterwegs waren, haben beschrieben, von wo bis wo die Dinger damals reichten. Man hätte im Sommer auf Skiern geradezu in die Dresdner Hütte fahren können, jetzt muss man mit dem Lift hinfahren…

Wie schon erwähnt, rennt ein Haufen Menschen im August auf den Stubaier Höhenweg (wir haben gehört, dass die Grawagrubennieder auch tatsächlich erst irgendwann im Juli geöffnet wurde). Die Atmosphäre hat etwas unter der Überfüllung der Hütten gelitten, vor allem in der ersten Woche. Es gab Leute, die Monate vorher ihre Doppelzimmer mit Halbpension gebucht hatten, und wer in einigen Hütten Halbpension nahm oder a la carte aß, wurde eben auch zuerst bedient. Wer nur das Bergsteigeressen konsumiert hat, bekam ganz als Letztes und wurde auch noch in jeder Hütte mit Speck abgefüllt.
Besonders absurd gestaltete sich das Ganze in der Neuen Regensburger Hütte. Bei Ankunft haben wir gleich einen Stundenplan bekommen: bis 16h45 Essen bestellen, bis 17h40 die Tischnummer ansagen, bis 17h55 die Plätze einnehmen, gleich nach dem Essen in der Bezahlschlange anstellen! Das Bergsteigeressen wurde um 19h30 serviert! (Also auch bei totaler Überforderung der Lohnarbeitenden nicht vom Plan abweichen…) Ich dachte auch, ich seh nicht richtig: In der Gaststube waren alle Tische reserviert für die Halbpension-Leute. Berghütte goes Zwei-Klassen-Gesellschaft… Ach und nochwas: Für die zweite Nacht dort nahmen wir so eine Halbpension, um mal was Anderes als unser Müsli zu frühstücken. Und da mussten wir feststellen, dass Halbpension nicht etwa bedeutet, dass die Übernachtung im Preis drin ist – selbst dann nicht, wenn das auf der Preisliste explizit so steht. In meinem persönlichen Hüttenranking musste diese Hütte auf den hinterletzten Platz weichen, obwohl z.B. die Lage echt schön ist und die, die dort arbeiten und sich all die Regeln sicher nicht ausgedacht haben, trotz der Überfüllung nett und bemüht waren.

Was wirklich, wirklich toll war, waren all die netten und aufgeschlossenen WandererInnen. Nette Gespräche, Doppelkopf- oder andere Spielrunden gab es immer. Es hat großen Spaß gemacht, mal 2-3 paar Tage mit den gleichen, dann wieder mit neuen Leuten unterwegs zu sein bzw. abends zusammenzuhocken!

Viele Leute, die wir unterwegs getroffen haben, wollten gerne wissen, wie die Grawagrubennieder ist, da sie in so einem verbreiteten Wanderbuch als größte Herausforderung des Stubaier Höhenwegs beschrieben wird. In der Neuen Regensburger hing aus, wie die Stelle mit dem Schnee und Geröll passiert werden sollte: Nicht rechts drumherum gehen, weil Gletschereis unterm Geröll rumliegt, sondern ab durch die Mitte. Wir haben das (so ziemlich als einzige an dem Morgen) beherzigt und sind etwa auf der Höhe des unteren Drittels ins Schneefeld gestiefelt und dann hoch. Das hat auch funktioniert und ist für Leute, die nicht so gerne über Blockschutt kraxeln, vielleicht stellenweise auch eine schnellere Variante. Irgendwo überquert ein Drahtseil das Schneefeld; dort sind wir dem Seil nach links gefolgt und das letzte Stückchen über Geröll gegangen, mit Festhalten. Dann klettert man noch die letzten Meter mit Seilversicherung hoch auf die Ggn.

Grawagrubennieder

Grawagrubennieder

Noch was ganz Tolles sind die Hochmoore! Mir sind drei davon im Gedächtnis, nämlich eins gleich hinter der Neuen Regensburger Hütte, eins am gleichen Tag Nähe Mutterbergsee und eins zwischen Nürnberger Hütte und Simmingjöchl. Bildschön, mit ihren puscheligen Gräsern, wie kleine Oasen in dem schroffen Drumrum.

Hochmoor vor Grawagrubennieder

Hochmoor vor Grawagrubennieder

Noch ein paar Stichworte zu meinem “Hüttenranking” (ganz im Trend, nur Exzellenzcluster, die vergebe ich nicht…):
Pluspunkte haben die Sulzenauhütte (die erste kleinere Hütte mit nettem Klima), die Nürnberger Hütte (sehr nette Bewirtschaftung und gute “Kaspressknödel”, der Kaiserschmarrn ist dagegen nicht so berühmt…) und die Bremer Hütte (leckerer Kaiserschmarrn, riesige Portion). Die Innsbrucker Hütte hatte den besten Kaiserschmarrn! Ich hab dem Wirt jedoch etwas übel genommen, dass er meine Angst vor einem Abstieg bei Gewitter nicht ernst genommen hat. (“Ich hab doch gesagt, dass das Wetter scheiße wird.”) Nur weil es in seinem Metier eine Selbstverständlichkeit ist, am Berg zu sterben, muss ich das ja nicht auch anstreben… Und schließlich die Zentren des Massentourismus: Franz-Senn-Hütte, Neue Regensburger Hütte, Dresdner Hütte.

Ja, und jetzt bin ich topfit!

Hirschberg und Steineberg

Dienstag, Mai 29th, 2007

Ich war im Allgäu! Habe Grad der Einrostung nach dem Winter überprüft – ja, der Muskelkater war erheblich. Dabei haben wir zwei richtig nette Tagestouren gemacht, die vom Anspruch her genau richtig für Eingerostete sind.

Samstag sind wir von Bad Hindelang auf den Hirschberg gestiegen. Es geht zunächst an einem kleinen Wasserfall entlang, dann kommen seltene Pflanzen, z.B. irgendwelche Orchideen (sorry, schon wieder vergessen, was es war, bin botanisch nicht so sensibilisiert!) und die Steigung war bei dem schwülen Wetter schweißtreibend. Oben dann der Blick, leider teilweise schon von Gewitterwolken verdorben. Aber hier Richtung Österreich hinein:

Ausblick vom Hirschberg

Die ersten Hälfte der Höhenmeter sind wird also fast rennend abgestiegen. Dann beschlossen wir: Glück, denn nach einer Minute Regen hörte es auf, und das Gewitter zog woanders hin. Wir saßen kurz danach schon im Cafe Polite am Hang in der Sonne und fühlten uns wie im Urlaub. Ich behaupte zwar immer, dass ich gegen Klischees bin, aber das Cafe bediente meine Bayern-Klischees ungemein. Die Bedienung war im Dirndl unterwegs, und das Interieur war Hütte-Hütte-Hütte. Und abends haben wir zu Hause Käsespätzle gemacht. ;-)

Sonntag sind wir mit Muskelkater (ich zumindest) los nach Gunzesried und haben den Steineberg beklommen. Was an der Wanderung besonders toll war, war, dass ich unterwegs irgendwie vergessen hatte, dass es irgendwo eine Leiter geben sollte. Wir kamen also “von hinten” den Berg hoch und sahen erst fast ganz oben, wie steil es an der anderen Seite hinunter ging. Der Ausblick war trotz Wolken ganz gut. Ich wollte eigentlich den Ifen sehen. Dort erahnte man aber nur Schemen. Die anderen erläuterten mir anhand der Karte, dass er das sei und setzten hinzu: Glaube versetzt Berge!
Die Leiter nahmen wir dann für den Abstieg: es geht etwa 20 Meter an der Wand hinunter, ist aber alles nett festgeschraubt.

Leiter am Steineberg

Überhaupt fiel der Picos-Bewanderten gleich auf, wie hübsch immer alles geebnet war. Wenn mal ein Tritt nicht schon total ausgetreten war, war gleich eine Eisenplatte angebracht. Reckte kein Baum seine Wurzeln zum Festhalten hin, dann gab es Stahlseile, die nicht unbedingt so hilfreich sind, weil sie total schlackern, aber gut.

Zu guter Letzt das Beste: Ich hatte mir nicht nur in den Kopf gesetzt, zum Ifen rüberzuwinken, sondern auch, die Stille mit nach Berlin zu bringen. Stille sei definiert als kreischende Grillen statt Motoren und läutende Kühe statt Handys. Stille als Klingelton, das ist ja eine Marktlücke! Oder Stille podcasten! Voila: [fehlt hier leider noch!].

Hoher Ifen und Gottesacker

Dienstag, Oktober 10th, 2006

Eine schicke Wanderung haben wir gemacht! Hauptsächlich in Österreich, teils aber doch wieder in Deutschland, unser Ausgangspunkt war irgendwo Nähe Riezlern im Kleinwalsertal: die Auenhütte. Zugegebenermaßen haben wir uns den Beginn durch den Sessellift vereinfacht (Yo! Mein erster Trip in einem solchen, sehr witzig, sich rückwärts auf ein Sitzlein fallen zu lassen und dann: Schweben, eigentlich fast Fliegen!)
 
Oben dann fielen schnell all die winterlichen Hüllen, in die wir uns bei morgendlichen drei oder sechs Grad gewickelt hatten, denn das Zwischenziel, der Hohe Ifen liegt auf 2229 Metern Höhe, schwitz. Hier seht Ihr seinen beeindruckenden Bau: Er hat eine Stufe, die aber dank Drahtseil und nicht so starkem Ausgesetztsein gut zu erklimmen ist. Der Blick war aufgrund des plötzlichen Sonnenwetters gegeben. Nicht nur das ganze Kleinwalsertal und Kempten waren da unten, sondern Alpen, Alpen ohne Schnee, Alpen mit Schnee und der fette Bodensee! (Er ist nicht so tiefblau, wie ich ihn mir seit meiner Kindheit vorgestellt hatte. Schade, denn dann käme er auf dem Bild auch zur Geltung…) Päuschen. Gucken. Knipsen. Gucken. Atmen. Per SMS prahlen, wo ich mich gerade befinde (denn da oben ist tatsächlich Empfang). Einen Muffin verspeisen.Dann wieder runter.
 
Doch das war's noch nicht, denn unser Ziel heißt “Wäldele”. Um dahin zukommen gehen wir noch auf das Hahnenköpfle und über den Gottesacker. Ersteres ist ein Mini-Gipfel, man glaubt, Aussicht zu haben, doch im Vergleich zu dem, was vorher war, ist dies ein kleiner Pickel, der mit einem protzigen Kreuz oben drauf behauptet, hoch zu sein. Schnell vorbeigehen, sich nicht beeindrucken lassen… Der Gottesacker könnte so heißen, weil darauf all die WandererInnen beerdigt sind, die entweder in seine Spalten und Löcher gefallen sind oder die wie ich plötzlich so schrecklich müde wurden. Er zieht sich nämlich ewig hin, rauf, runter, in Spalten gucken, drübersteigen, rauf, runter, aufpassen, glitschig, rauf, runter… Irgendwann erhärtet sich der Verdacht mit den WandererInnen, denn es tauchen Grabsteine auf. Von Ferne ist unklar: Ist das natürlich oder von Menschenhand? Aus der Nähe ist dann schon klar, Menschenhand. Absurd, lustig, seltsam. Es zeigt ja auch, dass andere an dieser Stelle Kräfte übrig hatten, kreativ zu werden. Wir fangen dagegen an, zu halluzinieren und Tierköpfe darin zu entdecken… Der Abstieg sollte vor der Dunkelheit geschehen, doch ganz klappte das nicht. Das letzte, was wir sahen, bevor sie über uns kam, war eine “Jagdliche Einrichtung”, ein Holzhäuschen, von außen schön mit Geweihen verziert (auch mit Schildern, dass man ja die Pfoten davonlassen und nicht reingehen soll). Dann Irrfahrt durch den dunkler werdenden Wald.
 
Erst als wir am Ende auf die Straße kommen, die zum Ziel führt, passiert, was mich die Müdigkeit vergessen lässt: Der Mond geht auf. Ich bin kurzzeitig total gerührt, denn das habe ich tatsächlich noch nie gesehen! Wie kann ich diese Bilder in meinem Kopf möglichst lange konservieren, zumal ich schon wieder in Berlin bin? Sie lassen sich nicht vakuumverpackt einschweißen oder bei ebay ersteigern. (Im Moment lassen sie sich nicht mal mehr bei flickr einstellen, denn ich lade zu viel hoch… sorry, liebe LeserInnen, da reiche ich bald die fehlenden noch nach.)

Wandern in den Picos de Europa

Sonntag, September 3rd, 2006

Zuerst: Die Picos de Europa sind ein Nationalpark in Nordspanien. Dort waren wir knapp zwei Wochen zu Fuß unterwegs. Vorher hatten wir dazu Infos aus einem Reiseführer und 15 Jahre alte Wanderkarten. Selbst eine spezialisierte Buchhandlung in Berlin hatte keine neueren (oder eigentlich: gar keine). Im Nachhinein sind wir natürlich schlauer und wollen in diesem kleinen Bericht ein bisschen Doku für andere hinterlegen, die dort hin wollen.
 
Obwohl es die Pampa ist, ist die Anreise ohne Auto recht einfach möglich (und sie war eigentlich auch das einzig teuere an diesem Urlaub): Flug nach Madrid, dann ab in den Linienbus. Von Madrid führt das Busunternehmen ALSA alle paar Stunden nach Norden, unser Zwischenziel war Oviedo auf der Strecke nach Gijon. Wir sind über Nacht gefahren, also 0:30h-ca.6:00h, Kosten pro Person so um die 25 Euro. Von Oviedo ging es mit demselben Busunternehmen weiter nach Cangas de Onis, wo WanderInnen sich nochmal mit Essen und Infos eindecken können. Es gibt eine Touri-Information, die Nationalpark-Verwaltung und Buchläden für die Wanderkarten. Die guten Karten werden vom Verlag Adrados Ediciones herausgebracht, die kompletten Picos (drei Massive, die macizos heißen, was toll lispelt!) sind auf zwei Karten zu haben. Dazu muss gesagt werden: derselbe Verlage gibt dazu ein Büchlein mit Wegbeschreibungen heraus, Pech nur halt, wenn eine des Spanischen sehr eingeschränkt mächtig ist… Kurze Kletterstellen waren den Karten zumindest ohne Beschreibungen nicht deutlich zu entnehmen, sie wurden aber auch keineswegs durch Vorkehrungen (angebrachte Seile, Griffe o.ä.) erleichtert.
 
Schwupp, nächster Bus: von Cangas de Oni­s direkt zu den Lagos de Covadonga (das sind der Lago de Enol und der Lago Ercina), die beide schon recht hoch in den Bergen liegen, vielleicht 15 km Straße vom letzten Ort Covadonga weg. Die Wanderwege kommen dort lang, eine erste bewirtschaftete Hütte (Refugio de Enol) ist nicht weit. Dies ist einer der Punkte, an denen man sich überlegen sollte, wolang man eigentlich gehen möchte und ob man dabei auf Hütten angewiesen ist, denn insgesamt sind diese Hütten
 

  1. schlecht in den Picos verteilt,
  2. teilweise an verschiedenen Wegen, die untereinander nicht verbunden sind,
  3. nicht toll: ohne Wasser (sprich: piss in die Natur!), Strom und Bewirtschaftung, aber trotzdem teuer. 8 Euro pro Nase? ¡No way!

Genau: Ein winddichtes Zelt und ein Kocher sollten dringend dabei sein, gerade, wenn man unerfahrener und ungeübter ist, nicht sowieso Gipfeljogger. So konnten wir den Wandertag dann enden lassen, wann wir wollten und einfach unsere Ponchos aufspannen (denn eben: wir hatten kein Zeltchen zur Hand). Campen war laut unseres Reiseführers erlaubt, wenn man eine Stunde vor Sonnenuntergang aufbaut und etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang wieder verschwindet. In echt war es so: Wer hätte dort das Zeltchen eigentlich sehen sollen? Noch etwas, was nicht schlecht gewesen wäre, war ein Feldstecher, vor allem um die Quellen von weiter weg zu entdecken. Die waren schon auf den Karten eingezeichnet, aber nicht so präzise (z.B. irgendwo im Outback aufgemalt, obwohl sie direkt auf der Wegkreuzung war…). Daraus ergaben sich anstrengende Suchen abseits von Wegen, die ein kleines Adlerauge erleichtert hätte. Teilweise waren eingezeichnete Quellen kurz vor dem Versiegen, so dass es immer ganz nützlich war, Entgegenkommende zu fragen, ob es denn Wasser gibt. Abgesehen von solch “objektiven” Infos wollen wir an dieser Stelle auch davor warnen, anderen Wanderern immer alles zu glauben, denn: Alle untertreiben! “Easy, das ist ein Spaziergang, anderthalb Stündchen nett am Fluss, keine Höhenunterschiede!” Dies kann auch heißen: Ihr geht durch die Cares-Schlucht, 100m über dem Abgrund ohne Absicherung, also 3 Stunden lang konzentriert gehen und aufpassen, dass Ihr nicht gleich den Abgang macht.
 
Noch kurz zum Rückweg: Wir sind über alle drei Macizos gegangen und haben im Südosten der Picos den Abstieg nach Potes gemacht. Dort gibt es wieder Busanbindungen, zunächst nach Santander (mit Palomera), von dort mit Continental Auto nach Madrid. Auch das geht wieder mehrmals täglich, auch über Nacht, für ca. 30 Euro pro Person. Soviel zu den Wandererinfos.
 
Schwärmen lässt sich von den Picos ohne Ende! Besonders das schroffe Macizo occidental ist so beeindruckend! Stichprobenartige Bilder habe ich unter http://www.flickr.com/photos/silkemeyer/tags/picos/. Krasse Felsspitzen und tiefe Geröllkrater, brennende Mittagssonne und Abendlichter zwischen Nebel und Sonnenstrahlen … all die Anstrengung würde ich dafür sofort nochmal bringen!