Archive for the ‘Kültür’ Category

Gendercamp 2011

Montag, Mai 23rd, 2011

So. Nachdem ich zuerst gar nichts über das Gendercamp schreiben wollte, tue ich das nu doch. Das Gendercamp fand vom 13.-15.5. in Hüll statt, hier [1] könnt Ihr Euch darüber informieren. Ich habe jetzt doch das Bedürfnis, meine Wahrnehmung des Wochenendes hier in Worte zu fassen, da ich mit dem bisher Geschriebenen und nicht Geschriebenen nicht so zufrieden bin. Wenn auch meine Wahrnehmung nicht sonderlich sortiert ist…

Wie kam ich zum Gendercamp? Ich hörte letztes Jahr, dass das Gendercamp gut war (“Drei Tage Hach”, “Hach” im Sinne von “toll”, “bewegend”, “herzlich” oder so). Ich hörte, dass Etliche, die ich im letzten Jahr online mehr oder weniger regelmäßig lese, vorhatten, dort hin zufahren, ich war neugierig, ich schätze es sehr, Leute offline kennen zu lernen, die online gute Sache verzapfen.

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Film: Hacker (2010)

Mittwoch, November 24th, 2010

“Hacker” müsste ich nicht gesehen haben. Ein Film, der als Film selbst nichts Interessantes macht oder ist. Er porträtiert fünf männlich sozialisierte Hacker unterschiedlicher Generationen, von denen mir mindestens 3,5 unglaublich überheblich vorkamen. Manche verdienen Geld mit ihrem Wissen, bei manchen ist das nicht so klar. Widersprüche gibt es um den Begriff Hackerethik: Wer hackt aus ethischen Erwägungen und wer nennt seine Spielerei bloß so, um die Lust am Spiel zu verschleiern? Und wo beginnt eigentlich “Kriminalität”? Das ist eine viel besprochene Frage im Film. Für mich die zwei “Extreme” unter den fünf Leuten:

  • Der eine Typ, ist ca. 20 und lässt sich in Tokio dabei filmen, wie er auf der Straße Frauen volllabert – so peinlich! Er sagt auch sehr schön, wofür ich schon x andere Beispiele mitbekommen habe: Computer hacken und Frauen “rumkriegen”, das ist im Prinzip das gleiche. Das arbeitet er dann noch aus, mit Formulierungen wie “schauen, ob man die gleichen Protokolle benutzt” etc. (Was ich als originalgetreues Zitat eigentlich super gerne für meine Diss hätte.) Sein Antrieb: “Die Anderen” glaubten nicht, dass er es schafft, als Hacker bekannt zu werden, und er wollte es ihnen zeigen. Kurzum: Ein Größenwahnsinniger, der am Ende des Films an einer Etappe scheitert, der insgesamt aber besser nicht über Themen spricht, die nicht Hacken sind.
  • Steffen Wernéry vom CCC im Hamburg ist auch dabei. Als ich den Udo-Lindenberg-Hut sah, hatte ich Vorurteile, aber als er den Mund aufmachte, war ich auch wieder entschädigt. Er sorgte immerhin für drei Dinge: Erstens musste ich lachen, als er sagte, er wollte Schutzraumwart werden, weil er da “Fläche” dazu bekäme. Er hätte 3000 Schlösser gekauft und in einem Schutzraum deponiert. *Prust…* Zweitens weckte er in mir die Frage nach Luftschutzräumen: Wo sind die und für wen? Jemand meinte heute früh dazu: Wenn da Platz für Dich drin wäre, wüsstest Du auch, wo der nächste ist. Muss zugeben: Da hab ich noch nie drüber nachgedacht. Drittens weckte er auch die Frage in mir, wie eigentlich mein Leben aussehen würde, wenn ich rein gar nichts mehr dokumentieren würde. Er sagt – und das mochte ich -, dass er das nicht mehr tut, um nie wieder andere Leute belastendes Zeugs rumliegen zu haben. Schön, dass sie da jemand politisch Denkendes sprechen lassen.

So. Dazu kommen noch einige historische Passagen, die ja auch ganz interessant sind, vor allem für die, die sich an die Computerszene der 1980er Jahre jetzt nicht so direkt erinnern. But this was it.

    Ausgekramt… alte Fotos aus’m Kiez

    Dienstag, November 23rd, 2010

    Per Twitter hatte ich es schon mal ausgeplaudert: Vor ein paar Wochen sah ich den Banksy-Film “Exit through the gift shop” im Kino, und das brachte mich darauf, die alten Fotos von Streetart rauszukramen. Die Stücke, die ich hier ausgewählt habe, waren alle an Friedrichshainer Gebäuden, die inzwischen saniert wurden. (Ihr wisst schon, Gentrifizierung und so – ohne jetzt länger über mögliche Zusammenhänge von Streetart und solchen Stadtentwicklungsprozessen zu sprechen. Internetrecherchen dazu sehen aber vielversprechend aus!)

    Wismarplatz: Laterne mit Schatten

    Wismarplatz: Laterne mit Schatten

    Das ehemalige Schulgebäude zwischen Holtei- und Böcklinstraße ist jetzt… ein schickes Wohnhaus. “Turnhalle” heißt das entsprechende Restaurant auf demselben Gelände. Dort klebten u.a. vor ca. vier bis fünf Jahren diese Gestalten:

    Schulgebäude Böcklinstraße: Ausgemergelte Gestalten

    Schulgebäude Böcklinstraße: Ausgemergelte Gestalten

    Turnhalle Holteistraße: Kind

    Turnhalle Holteistraße: Kind

    Und schließlich am Bersarinplatz, wo die ehemaligen Plattenbauten jetzt so Gecko-Fassaden haben:

    Bersarinplatz: "My friends went to hell..."

    Bersarinplatz: "My friends went to hell..."

    Und die ganzen traurigen Linda-Bilder, mit denen mal alles voll war, die hatte ich schon wieder vergessen! Aber sind die nicht eh schon prominent als Fotoband erschienen? Und die drei unentwickelten Filme und die Wegwerfkamera in meiner Schublade, die hatte ich auch ganz vergessen. Die mögen da aber schon so viele Jahren rumlümmeln, dass sie nichts mehr herzeigen… Dazu wann anders.

    Once in hell – you wanna dance with me?

    Samstag, September 25th, 2010

    Hat jemand an die Wand von einem Veranstaltungsraum geklebt.

    Streetart

    Tanzen in der Hölle...

    Kritische Lehrer_innen: Kein Handbuch

    Freitag, August 6th, 2010

    Gerade habe ich eine druckfrische Publikation überreicht bekommen, die einen großartigen Eindruck macht: “Kein Handbuch” von den Kritischen Lehrer_innen.

    Deckblatt Kritische Lehrer_innen

    Deckblatt Kritische Lehrer_innen

    Darin dokumentiert die Gruppe die Themen, mit denen sie sich in den letzten 5 Jahren beschäftigt hat, den Reflexionen, Bildern, Thesen und mehr schicken sie etliche Essays zu verschiedenen schul- und gesellschaftskritischen Themen voraus. Freue mich schon aufs Lesen!

    Und das Beste: Wer es nicht abwarten kann, eins der Verteil-Exemplare ausgehändigt zu bekommen (ich hab welche da), kann sich das gute Stück auch runterladen, und zwar hier:

    http://asta.tu-berlin.de/krile-keinhandbuch.pdf

    Walk: Eine Ausstellung aus promenadologischer Perspektive und ihre Weiterführung quer durch Kreuzberg

    Dienstag, September 4th, 2007

    Im Bethanien ist gerade eine ganz interessante Ausstellung mit dem Titel “Walk. Spazierengehen als Kunstform”. Darin setzen sich verschiedene KünsterInnen damit auseinander, was beim Spaziergang so alles passieren kann, besonders gedanklich. Als olle alte Sonntagsspaziergängerin fand ich das schon sehr interessant! Die meisten Exponate sind Gefilmtes. Da läuft z.B. ein Honecker-Double mit Kamera in der Brille durch Berlin und filmt Reaktionen. (Wobei diese Idee besser ist als ihre Umsetzung, der Typ latscht nur rum und sagt “Freundschaft” zu irgendwelchen verwirrten PassantInnen.) Oder eine Gruppe filmt Eindrücke auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Eine andere Künstlerin steht redend vor isländischen Landschaften und erzählt ausschweifend lange Geschichten, ohne dabei so richtig auf den Punkt zu kommen.
     
    Einige Stücke waren besonders eindrücklich. So z.B. ein Projekt, bei dem Menschen mit Audio-Guide über ein ehemaliges KZ-Gelände in Österreich gehen können und sich dabei Erzählungen von Überlebenden anhören können. Dabei laufen sie durch ein völlig “normales” Wohngebiet, denn das Gelände wurde nicht in seiner damaligen Form erhalten.
     
    Ja, und dann gab es noch ein Kapitel über die in der Monumentenstraße lebenden Elfen. Was mich besonders interessiert hat, weil ich zwei Jahre lang in der Monumentenstraße gewohnt habe und heute aus einer speziellen Karte entnehmen konnte, dass sowohl im benachbarten Hinterhof als auch am Grab der Gebrüder Grimm Elfen leben. Wer das behauptet? Ein Typ, der “Elfenmedium” ist und offenbar mal Straßenführungen zu dem Thema angeboten hat, die so überrannt waren, dass er sie einstellen musste (hä?). Es gab nicht nur die Karte und Geschichtchen zu lesen, sondern auch einen Fernsehbeitrag darüber, in dem die Schöneberger Ex-Bezirksbürgermeisterin behauptet, Elfen kämen sicher gerne in den Bezirk, weil er so multikulti sei. Das “Elfenmedium” ist auch zu sehen: er führt einen Ausflipper vor, den er manchmal bekomme, wenn er Elfen spüre, dreht sich, irgendwie summend, wild im Kreis. Danach, sagt er, fühle man sich ganz gut und hätte keine (jetzt kommt es) bleibenden Schäden, er zumindest nicht. ;-)
     
    Eine Dame hat ein Walk Book mit Audio-Teil erstellt. Man konnte zuhören, dazu im Buch bestimmte Bilder betrachten und hätte eigentlich zwischendurch auch selbst richtig spazierengehen sollen (dieser Teil fiel im Museum natürlich flach). Sie spaziert z.B. durch ein Feld und findet einen einzelnen Damenschuh, dessen Foto im Buch ist. Dann stellt sie Überlegungen darüber an, wie der dorthin kommt…
     
    Einer ist mit einer Kamera zweieinhalb Stunden lang den Zaun um Heiligendamm entlang gegangen und hat ihn gefilmt, “Spaziergang am Rande der Demokratie”. Da passiert im Prinzip nichts, aber der Zaun wird ausführlich dokumentiert und sagt eine Menge aus, genauso wie die Touris, die dort entlang ihre Sommerradtour machen.
     
    Lange Rede, kurzer Sinn, man kann dort vermutlich Tage verbringen.
     
    Das Beste war, dass der Tag mit meinem Besuch dann auch ganz im Zeichen der Ausstellung weiterging: Nach gründlichem Gucken kamen wir raus und ließen uns dann noch von ca. 15.30 Uhr bis Mitternacht ungeplant durch Kreuzberg treiben. Was geschah?
     
    Wir aßen Gössies in der Bergmannstraße und rätselten über einen exzentrischen Tortenhaufen in der Vitrine, um dann doch einen ganz anderen Kuchen zu probieren. Dann stieß noch ein Dritter dazu und schlug vor, Richtung Riemers Hofgarten zu laufen, so für die Architektin unter uns. Wir kamen bis zur Ecke der Bergmannstraße, wo seit inzwischen auch schon Jahren eine besondere Art des Geschenke selber Machens möglich ist (Geheimnis!), und schon sind wir dort für zwei oder drei Stunden kreativ geworden. Dann war es schon fast dunkel. Wir haben den Kreuzberg erklommen und danach im Regen gleich noch das Viktoriaquartier durchmessen, um schließlich Riemers Hofgarten anzupeilen und festzustellen, dass da ein Haufen Kameras rumhängt. Gleich dahinter standen wir schon vor dem Kino und landeten kurzentschlossen in “Du bist nicht allein”. Man könnte festhalten: Spannender als manches im Museum – was die KünstlerInnen von uns LebenskünstlerInnen unterscheidet, sind in diesem Fall vor allem Kamera und Mikro. Das Undokumentierte des Spaziergangs…

    Der Kick

    Freitag, September 22nd, 2006

    Um mal wieder vom Rezepteschreiben wegzukommen – ich hab einen ziemlich guten Film gesehen, “Der Kick” von Andreas Veiel. Es geht um einen Mord in einem brandenburgischen Kaff, 2002, drei besoffene Rechte bringen einen “Kumpel” brutal um. Stand ja in der Zeitung, der Bürgermeister kam mit seinem Ausspruch zu zweifelhafter Berühmtheit, das Opfer sei eben einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Alle sahen weg.

    Der Film ist nun weder ein Spielfilm, noch eine Doku, sondern eine Theateradaption, die auf den ganzen gerichtlichen Protokollen basiert. Es spielen nur eine Schauspielerin und ein Schauspieler. Ort: Eine leere Halle, in der nur noch ein Bauwagen-Zeugenstand steht.

    Die beiden spielen sich nach und nach durch alle Rollen hindurch: Von Opfer- und Täter-Angehörigen über Mörder bis hin zu Staatsanwalt und Pädagogen. Zu zweit. Geschlecht ist dabei egal. Susanne-Marie Wrage stellt die Jugendlichen im Verhör dar, mit ihrer Redeweise, ihrem mangelnden Selbstbewusstsein, ihren rassistischen Einstellungen, ihren unberührten Erzählungen von roher Gewalt. Wechselt unmittelbar von Sohn zu Mutter und zurück. Markus Lerch ist z.B. mal Mutter, mal Pädagoge, der im Mörder keinen Nazi entdecken konnte, mal Vater, der glaubt, seine Söhne zur Gewaltlosigkeit erzogen zu haben. Und von sich gibt: Ich habe ihm gesagt, dass jeder kein echter Nazi mit Glatze rumlief, alle hatten einen ordentlichen Haarschnitt…

    Die Rollenwechsel sind nicht nur beeindruckend gut gespielt (vor allem die Darstellung der jungen Männer durch S-M Wrage!), so dass sie nach einer Weile erkennbar sind, ohne angesagt zu werden. Diese Wechsel haben auch zur Folge, dass das Publikum das Kino verlässt, ohne Gesichter zu den Beteiligten oder Orten im Kopf zu haben. Klar ist, so haben sie nicht ausgesehen. Festgehalten werden Typen, Rollen, (Erklärungs-)Muster. Die einzelnen Positionen (Staatsanwalt, Eltern, PädagogIn) sind dabei überhaupt nicht überraschend, sondern eher typisiert, fast konstruiert. Staatsanwalt: anklagend “wieso haben alle weggesehen? Liegt das am Alkohol oder an der Perspektivlosigkeit?”, Eltern ratlos-unberührt “wir haben nichts falsch gemacht”, Pädagoge blind-bloß nicht verurteilen wollend “das war ein ganz normaler Jugendlicher”, die anderen rassistisch. Überraschend gut ist aber der Effekt, den die Collage ergibt, das Aufzeigen: Es gibt keine Erklärung, nur eine diffuse Ansammlung von Eindrücken, die auch durch die Zeitungen geisterten: Alkohol, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, rassistische, Menschen verachtende Einstellungen in unterschiedlichem Maße und dabei der wabernde, gar nicht explizierte Eindruck, dass dies ein ostdeutsches Problem sei (Oder nehme nur ich das so wahr, dass das als deren Problem dargestellt wird, als Horror, der nur dort passieren kann?).

    All die aufgeworfenen Fragen beantwortet der Film natürlich nicht. Will er auch nicht, kann er auch nicht. Ist aber sehr sehenswert!'