Archive for the ‘Computer’ Category

Film: Hacker (2010)

Mittwoch, November 24th, 2010

“Hacker” müsste ich nicht gesehen haben. Ein Film, der als Film selbst nichts Interessantes macht oder ist. Er porträtiert fünf männlich sozialisierte Hacker unterschiedlicher Generationen, von denen mir mindestens 3,5 unglaublich überheblich vorkamen. Manche verdienen Geld mit ihrem Wissen, bei manchen ist das nicht so klar. Widersprüche gibt es um den Begriff Hackerethik: Wer hackt aus ethischen Erwägungen und wer nennt seine Spielerei bloß so, um die Lust am Spiel zu verschleiern? Und wo beginnt eigentlich “Kriminalität”? Das ist eine viel besprochene Frage im Film. Für mich die zwei “Extreme” unter den fünf Leuten:

  • Der eine Typ, ist ca. 20 und lässt sich in Tokio dabei filmen, wie er auf der Straße Frauen volllabert – so peinlich! Er sagt auch sehr schön, wofür ich schon x andere Beispiele mitbekommen habe: Computer hacken und Frauen “rumkriegen”, das ist im Prinzip das gleiche. Das arbeitet er dann noch aus, mit Formulierungen wie “schauen, ob man die gleichen Protokolle benutzt” etc. (Was ich als originalgetreues Zitat eigentlich super gerne für meine Diss hätte.) Sein Antrieb: “Die Anderen” glaubten nicht, dass er es schafft, als Hacker bekannt zu werden, und er wollte es ihnen zeigen. Kurzum: Ein Größenwahnsinniger, der am Ende des Films an einer Etappe scheitert, der insgesamt aber besser nicht über Themen spricht, die nicht Hacken sind.
  • Steffen Wernéry vom CCC im Hamburg ist auch dabei. Als ich den Udo-Lindenberg-Hut sah, hatte ich Vorurteile, aber als er den Mund aufmachte, war ich auch wieder entschädigt. Er sorgte immerhin für drei Dinge: Erstens musste ich lachen, als er sagte, er wollte Schutzraumwart werden, weil er da “Fläche” dazu bekäme. Er hätte 3000 Schlösser gekauft und in einem Schutzraum deponiert. *Prust…* Zweitens weckte er in mir die Frage nach Luftschutzräumen: Wo sind die und für wen? Jemand meinte heute früh dazu: Wenn da Platz für Dich drin wäre, wüsstest Du auch, wo der nächste ist. Muss zugeben: Da hab ich noch nie drüber nachgedacht. Drittens weckte er auch die Frage in mir, wie eigentlich mein Leben aussehen würde, wenn ich rein gar nichts mehr dokumentieren würde. Er sagt – und das mochte ich -, dass er das nicht mehr tut, um nie wieder andere Leute belastendes Zeugs rumliegen zu haben. Schön, dass sie da jemand politisch Denkendes sprechen lassen.

So. Dazu kommen noch einige historische Passagen, die ja auch ganz interessant sind, vor allem für die, die sich an die Computerszene der 1980er Jahre jetzt nicht so direkt erinnern. But this was it.

    Interview: Geschlechterverhältnisse im Internet

    Donnerstag, November 18th, 2010

    Ich bin in der Zeitung. Ingo Stützle hat mich für die Analyse und Kritik interviewt und das Gespräch ist jetzt online hier zu finden: http://www.akweb.de/ak_s/ak555/16.htm

    Freue mich über Eure Anregungen, die Ihr gerne hier abladen könnt!

    Harald befreit bald mein Telefon

    Donnerstag, Oktober 7th, 2010

    Das sind ja gute Nachrichten, seh’ ich ja jetzt erst! Harald Welte schrieb schon im August in seinem Blog [1], dass er das Samsung Galaxy S i9000 auserkoren hat, um darauf mit der Installation freier Software zu experimentieren! Das Ding als Mini-Debian-Computer – nette Vorstellung! Allet Jute! (Wie weit er wohl inzwischen gekommen ist?)

    [1] http://laforge.gnumonks.org/weblog/2010/08/21/#20100821-playing_with_galaxy_s

    2 oder 3 Dinge zum SFD gestern

    Sonntag, September 19th, 2010

    “Du bist ja keinen Tag älter geworden. Bist Du schon verheiratet?” *Sucht meine Finger nach Ringen ab…*

    Jo, wenn ich auch Zitronen [1] vergeben würde, wäre ich für diese Begrüßung beim gestrigen Software Freedom Day gleich ganz am Anfang eine losgeworden. Ich schätze es ja durchaus, wenn ich zu so einer Veranstaltung komme und mich den Themen der Veranstaltung zuwenden kann, das war gestern nicht ganz so einfach. Als hätte ich ein Banner auf der Stirn kleben, auf dem steht “Frau – bitte sprecht mit mir über Familienstand oder Kindererziehung”. Normalerweise geht es doch echt auch anders, gestern war es aber gleich mehrfach so. Auf die interessantere Seite der Medaille wurde ich auch angesprochen: Ob ich wüsste, warum so wenig Frauen in Linux-Communities sind. Die dazu geäußerte Theorie meines Gesprächspartners: Frauen wollen sich nicht ausgiebig mit Technik beschäftigen, sondern ziehen sich in die “Schmollecke” zurück, wenn nicht gleich alles funktioniert. Jaaaaaa – beisst sich da der Pinguin in den Schwanz???

    Da waren natürlich auch andere Leute. So wurde z.B. die gerade laufende Diskussionen über Vernetzungsmöglichkeiten von Communities in Berlin und Brandenburg weitergeführt, über openvpn auf Smartphones recherchiert usw. Dann Gesamteindrücke:

    • Die Vorträge waren sehr für Einsteiger_innen gemacht, gekommen sind aber eher die üblichen Verdächtigen – sicher auch, weil es mit all den Demos gestern wichtige places-to-be gab.
    • Der Jugendclub E-LOK ist schon ein netter Ort, mit dem Garten und dem jugendclubmäßig-erschwinglichen Grillgut. (Und noch netter bei mehr als 10 Grad…) Toll von der dort ansässigen Gruppe “Linux works”, dass sie sich da so engagiert haben!
    • Den Film “Weizenbaum. Rebel at work” kannte ich bisher nur in Ausschnitten. Er liegt auch beim ccc zum Download rum. (Da: http://chaosradio.ccc.de/25c3_m4v_3052.html) Feine Idee, den da zusammen zu gucken.

    [Das feministische österreichische Nachrichtenportal diestandard.at verleiht virtuelle Zitronen für sexistische Werbung (http://diestandard.at/r1192182008645/Zitronen).]

    Software Freedom Day 2010

    Donnerstag, September 16th, 2010
    Software Freedom Day 2010

    Software Freedom Day 2010

    …ist am Samstag! Ihr könnt Euch dort in Vorträgen über verschiedene Linux-Distributionen informieren oder schauen, welche Projekte sich anderweitig dort vorstellen. Auch schön: Abends gibt’s den Film Joseph Weizenbaum – Rebel@Work. Für Berlin (und HH, M) ist hier das geplante Programm zu entnehmen: http://linuxwiki.de/action/show/SoftwareFreedomDay2010

    Update: Das soll Euch nicht von den zahlreichen wichtigen Demos am Samstag abhalten! Man bedenke z.B., dass auch Computer mit Atomstrom betrieben werden!

    Handykamera als Webcam nutzen

    Donnerstag, September 2nd, 2010

    Das Projekt Smartcam (http://sourceforge.net/projects/smartcam/) ist ganz schick! Ick hab keene Webcam – dachte ich bisher… Warum hab ich das nicht früher entdeckt, das gibt es schon seit Jahren!?

    Hier geht es um eine Software für a) Symbian60 3rd und b) Ubuntu Lucid. Im Netz kursieren diverse Versionen der Software, aus verschiedenen Quellen und verschiedenen Alters, die bei mir nicht funktioniert haben. Dabei können sowohl Probleme in der Programmversion für’s Handy liegen als auch in der für den Rechner. So hatte ich zb zuerst eine Version auf dem Handy, die zwar startete, aber nur zwei Menüpunkte hatte. (Die kam vom Portal free-symbian.eu und es hat etwas gedauert, bis ich ihr misstraut habe.) Auf dem Rechner schlug das Kompilieren des Treibers fehl, sowohl auf dem i386 als auch auf dem ppc (jeweils unter Ubuntu).

    Nun ja, wie es letztlich ging: In seinem Ubuntu ppa hat mgorven eine vorkompilierte Version für Ubuntu Lucid (i386) liegen, und zwar eine, bei es nicht trotzdem noch nötig ist, den Treiber selbst zu kompilieren (hier das .deb). Die Schritte also:

    1. Das Paket installieren, z.B. mit dem sich automatisch öffnenden Paketverwaltungsprogramm oder mit dpkg -i smartcam_1.4.0-0ubuntu2%7Elucid1_i386.deb .
    2. Suchen, wo der Treiber sich rumtreibt (eine Möglichkeit: sudo updatedb und danach locate smartcam.ko, den Pfad kopieren für 4.)
    3. sudo modprobe videodev
    4. sudo insmod /lib/modules/2.6.32-24-generic/updates/dkms/smartcam.ko (der Pfad aus 2.)
    5. Berechtigungen für das Device anpassen: sudo chmod 0666 /dev/video0
    6. Mit dem .deb-Paket landet dann auch die passende Programmversion für’s Handy auf dem Rechner (lag bei mir in /usr/share/smartcam/phone_installs/SmartCamS603rdEd_v1_4.sis). Um sie zu installieren, musste ich das Handydatum mal wieder verdrehen, auf August 2009 (*nerv*).

    Danach das Programm Smartcam zuerst auf dem Rechner starten, dann auf dem

    Screenshot Smartcam auf Nokia E65

    Screenshot Smartcam auf Nokia E65

    Handy, dort Bluetooth auswählen und “connecten”. (Ich gehe hier davon, aus dass Handy und Rechner schon mal gekoppelt wurden.) Dann sollte auf dem Rechner – verzögert – im Smartcam-Fenster das zu sehen sein, was die Handykamera gerade überwacht ;-) . In Skype hab ich das kurz ausprobiert, dort ließ sich dann beim Videogerät obiges /dev/video0 auswählen.

    Bleibt nur noch eins: Der olle powerpc ist unversorgt, aber dafür gibt’s ja eh kein Skype.

    Kleine Replik auf nrrrdz

    Freitag, Juli 23rd, 2010

    Gestern hab ich mir endlich Zeit genommen und den Podcast nrrrdz angehört, die Folge über Geld. Da er schon ein paar Wochen alt ist, konnte ich den Kommentaren schon entnehmen, dass es viel um Apple-Produkte geht. Ja, stimmt. Die beiden nrrrdz stellen in der Folge aber eigentlich fest, dass in der Blogosphäre die materielle Basis des Bloggens ausgeblendet wird: Was kostet die nötige Technik? Wie zugänglich ist sie damit wen? Wie oft kaufen sich Leute das neuste Zeugs? Wer hat eigentlich das Geld, dauernd auf Community-Events oder Konferenzen zu fahren? Spannende Fragen… und der Aufruf, das Thema auf den Tisch zu bringen. Ganz Ähnliches ist mir doch vor ein paar Tagen schon mal begegnet, und zwar im “Setup” auf admartinator (wo – wie ich finde – auch hauptsächlich Apple-Fans ihre tollen Gadgets loben). Leute wie ich werden von den nrrrdz “die Verbliebenen” genannt, die nämlich keine Macs haben, weil sie Linux nutzen. Von mir aus. Ich halte mich eigentlich auch aus anderen Gründen für eine “Verbliebene”:

    • Ich nutze Linux u.a. auf einem alten ibook. Und nicht erst, seit das damals erstandene Betriebssystem veraltet war, sondern schon nach einigen Monaten, mit dem Vermissen von Linux. 2005 jekooft, im selben Jahr Linux ruff.
    • Der zweite Rechner, den ich hab, war ein Gebrauchtkauf, als das ibook mal in Reparatur war, ein T40 (von schätzungsweise 2006). Der dritte ist ein uralt-Rechner von einer Mitbewohnerin, der mir als Testserver dient, bevor ich diesen Server hier kaputtspiele. Der vierte ist ein Geschenk von jemandem bei den Chemnitzer Linuxtagen 2010, ein fast 10 Jahre altes Laptopchen, dass von den Maßen her einem Netbook ähnlich kommt, aber lahm ist. Schön leicht für unterwegs. Klaut auch niemand, weil assbach.
    • Ich hab also 4 Computer und einen gemieteten Server, und das macht mich zu einer ungemein privilegierten Person (!), auch wenn mein Zeug nicht neu ist. Dieser Gedanke kam mir bei Euch etwas zu kurz. Wobei Ihr den Begriff “Mittelschicht” ja schon einbringt. Ich hörte von iphone, ipod, Digitalkamera, der Möglichkeit, noch funktionierende Dinge weiterzuverleihen oder sie sich zu leihen. Das sind doch auch schon Privilegien, auch wenn Ihr bei jeder Neuanschaffung länger überlegt oder rechnen müsst.
    • Klar schaue ich öfter im Netz nach, was es so Neues gibt oder träume vom perfekten Linuxhandy. Manchmal denke ich, dass eine Digi- oder Webcam toll oder integriertes Bluetooth statt einem ewig am falschen Ort liegenden Dongle praktisch wäre. Aber dann stelle ich auch immer fest, dass der perfekte Laptop für mich eh noch nicht gebaut wurde: Immer fehlt was Wichtiges, aber mit Platte und RAM wird mensch zugeschmissen, wozu bloß?
    • Wie Ihr auch, hab ich diverse Ersatzteile für Rechner beschafft. Bei den Internetrecherchen dafür läuft mir aber immer fast die Galle über: Ein Preisvergleich zwischen neuen Laptop-Akkus und neuen Netbooks kommt mir dann fast vor, als würde mich der Kapitalismus höchstpersönlich zum Neukauf drängen. Es wird uns dermaßen nahegelegt, dass Reparaturen/Ersatzteile sich nicht lohnen, sondern der Kauf vom Neusten. Dabei wissen wir, was mit Elektroschrott geschieht, in welche globalen Ketten der wieder eingeht. Das allein ist für mich ein Argument mehrfach kritisch zu fragen, ob ich irgendwas neu kaufen muss, ob ich nicht auch Second-Hand bekomme, was ich brauche, und ob ich es eigentlich überhaupt brauche oder nur haben will.

    Klar kaufe ich auch Sachen (wie Klamotten), deren Äquivalente ich auch aus ‘ner Freebox nehmen könnte. Ich will mir aber gerade mit schicker Technik auch nicht dauernd vermitteln lassen, dass cih schon wieder irgendwas Neues kaufen sollte.

    Ich ende also mal mit ‘nem Themenvorschlag für nrrrdzs, für ein nächstes Mal: Richtet doch die Aufmerksamkeit beim Thema “Geld und Technik” mal auf die “Neben”ökonomien, Second-Hand, reuse-Computers und was es so gibt. Das wäre spannend, sicher informativ und nicht so eine Firmenwerbeveranstaltung.